Erziehung (1)
Objektgruppe 2009
16 spanking-paddle
Der kleine Klaps auf den Po. Es ist absurd, aber gleichermaßen scheint es eine menschliche Selbstverständlichkeit zu sein: das Zwingen
mit Gewalt. Das Erzwingen von Gutem sozusagen. Im Ausüben von Gewalt erhoffen wir uns das Wahrwerden eine Traumwelt, einer Welt,
in der Gewalt keine Rolle mehr spielt und in der sich alle Menschen friedlich bei den Händen halten und sich gegenseitig Blumen ins Haar
stecken. Schläge und andere kleine bis größere körperliche Züchtigungsmaßnahmen gehörten dabei schon immer zu den Mitteln, um diesen
idealisierten Zustand zu erreichen. Auf Diebstahl folgten Peitschenhiebe und auf Fremdgehen wusste man in der Steinigung eine wirksame
Methode, um solcherlei Aussetzer künftig zu unterbinden. Zur Steigerung der Lernfähigkeit einzelner Schüler sowie beim Durchsetzen disziplinärer
Vorgaben griff der Lehrer nicht selten zum Rohrstock, um gegebenenfalls auch sich prügelnde Lausbuben auseinander zu treiben – die
wahrscheinlich zivile Variante des polizeilichen Wasserwerfers. Noch vor nicht allzuviel Jahrzehnten durften die Knaben selbst hinaus in den
Garten gehen um dem Vater eine Weidenrute zu schneiden, die dann in der Durchsetzung einer disziplinären Maßnahme auf dem Hinterteil
des Kindes seine Anwendung fand. Alles kleine, ausgefeilte Erziehungsmethoden, erdacht mit dem Ziel, um im Kleinen wie im Großen, zur
Besserung und Disziplinierung des Volkes beizutragen. Der Klaps auf den Hintern hat also Tradition. Wenn heutzutage das schamlose Einprügeln
auf zarte Kinderpopos nicht mehr zum guten Ton gehört, wie es zu Kaisers Zeiten noch der Fall war, so fördert doch der kleine Schlag auf
das Hinterteil nach wie vor das Denkvermögen – oder nicht? Am Ende ist der Wunsch nach heiler Welt und „Peace on Earth“ doch zweifelsfrei
eine große Heuchelei. Gewalt dient weder als Gegenmaßnahme zu irgendeiner Ungerechtigkeit noch allein der Besserung. Gewalt entspringt
unserem inneren Aggressionspotential. Wir müssen uns abreagieren und suchen nach der ultimativen Möglichkeit dies zu tun, das liegt in
unserer Natur. Der Sohnemann bekommt nicht den Arsch voll, damit er sich beim nächsten Mal besser aufführt, sondern weil er seinen Eltern
auf den Sack gegangen ist und diese darauf hin genervt waren. Wenn in den letzten hundert Jahren die rückläufige Duldung körperlicher
Züchtigungsmaßnahmen gegen Kinder zu beobachten war, lässt sich im Gegensatz dazu eine fast proportional steigende gesellschaftliche
Akzeptanz sexueller Freigiebigkeit ausmachen. Pornografie ist keine Frage abgedunkelter Sexshops mehr. Außerdem pflegt ein jeder seine
kleinen sexuellen Laster und empfindet es alles andere als unangenehm, dabei ertappt zu werden. YouPorn ist mittlerweile Bestandteil einer
gut sortierten Internet-Browser-History und in den Videokabinen der Hinterhof-Kinos bröckelt der Putz von den Wänden. Vermutlich liegt in all
dem die Tatsache begründet, warum es heute in jedem gut sortierten Erotikkaufhaus Spanking-Paddel zu erwerben gibt, ich dagegen noch
keine Haushaltswarenabteilung gesehen habe, in der Rohrstöcke für Eltern Teil der Auslage gewesen wären. Gewalt gibt es heutzutage
nur noch im Kino ... und im Ausland natürlich. So entsenden wir, unseres Zeichens „westliche Welt“, bewaffnete Truppen in entfernteste Gebiete
der Welt, um in einer groß angelegten Happiness-Offensive die Bösewichte zu verprügeln bis sie lachen. Hierzulande spielen moderne
Kinder unbesorgt und glücklich im Sandkasten, Vati zieht die Rute nur noch über Muttis Hintern und diese bedankt sich hinterher auch noch.
Das nenne ich Weltverbesserung! Schöne heile Welt!
Text: Alexander Husche